MIT Paderborn

MIT Paderborn – Jahresausblick 2026 – „Zwischen Krise und Perspektive“

Über 120 Unternehmer aus dem Kreis Paderborn folgten der Einladung der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) zum Jahresausblick 2026 in die Paderborner Brauerei. Unter dem Titel „Zwischen Krise und Perspektive“ diskutierten hochrangige Vertreter aus Wirtschaft, Finanzwesen und Politik über die aktuelle Lage des Mittelstands und seine Zukunftschancen.

Unter den Gästen befanden sich unter anderem Landtagsabgeordneter Bernhard Hoppe-Biermeyer, stellv. Landrat Hans-Bernd Janzen, Bürgermeister der Stadt Paderborn, Stefan-Oliver Strate, Bürgermeisterin Ulla Berhorst-Schäfers sowie zahlreiche kommunale Mandatsträger und Vertreter aus Wirtschaft und Verwaltung.

In seinem volkswirtschaftlichen Ausblick ordnete Andreas Trotz, Vorstandsmitglied der Sparkasse Paderborn-Detmold-Höxter, die globale Entwicklung ein. Trotz geopolitischer Spannungen – unter anderem durch die Eskalation im Nahen Osten – bleibe das weltweite Wachstum grundsätzlich intakt. Die Unsicherheit sei hoch, doch die Anpassungsfähigkeit der Unternehmen weiterhin bemerkenswert.

Torsten Wolff, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der VerbundVolksbank OWL, sprach über das Spannungsfeld „Zwischen Investitionsdruck und Finanzierungsperspektive“. Steigende regulatorische Anforderungen, Markt- und Wettbewerbsrisiken sowie geopolitische Unsicherheiten stellten mittelständische Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit, Investitionen gezielt zu priorisieren und solide zu finanzieren.

Ein zentrales Thema des Abends war die Unternehmensnachfolge. Sebastian Schrader von der VerbundVolksbank OWL verwies auf den demografischen Wandel: In Nordrhein-Westfalen stehen bis 2030 zehntausende Unternehmensübergaben an. Der Altersdurchschnitt der Führungskräfte steigt weiter. Immer häufiger würden externe Lösungen oder professionelle Manager eingesetzt, wenn familieninterne Nachfolgen nicht möglich seien. Frühzeitige Planung sei entscheidend für Stabilität und Werterhalt.

Jürgen Behlke von der IHK betonte die Bedeutung wirtschaftlicher Resilienz angesichts hybrider Bedrohungen und wachsender Unsicherheiten. Wirtschaftliche Stabilität sei heute ein strategischer Faktor. Weitere vertiefende Formate seien geplant.

Für den Einzelhandel sprach Ferdinand Klingenthal vom Handelsverband OWL. Er machte deutlich, dass insbesondere Innenstädte unter starkem Wettbewerbsdruck stehen. Digitale Plattformen und internationale Anbieter – etwa chinesische Online-Dienste wie Temu – verschärften die Konkurrenzsituation erheblich. Gleichzeitig bleibe das Thema Erreichbarkeit und Parkraumsituation ein entscheidender Standortfaktor. Der stationäre Handel sichere Arbeitsplätze und präge die Attraktivität der Innenstädte – hier müsse ganzheitlich gedacht werden.

Auch im Bereich Cyber-Sicherheit wurde gewarnt. Serkan Durgun von der Sparkasse Paderborn-Detmold-Höxter zeigte auf, dass Phishing, CEO-Fraud und KI-gestützte Deepfake-Angriffe weiter zunehmen. Resilienz beginne bei Sensibilisierung und klaren internen Prozessen.

In der Zusammenfassung des Abends wurde deutlich: Der Mittelstand befindet sich in einer komplexen und herausfordernden Phase. Bürokratische Hürden bremsen Investitionen. Verlässliche politische Rahmenbedingungen sind dringlicher denn je. Gleichzeitig vollzieht sich eine tiefgreifende Transformation der Geschäftsmodelle.

Vier Zukunftsthemen wurden dabei besonders hervorgehoben:

  • Künstliche Intelligenz
  • Robotik und Automatisierung
  • Drohnen- und neue Mobilitätstechnologien
  • Umwelt- und Energietechnologien

Diese Bereiche werden die wirtschaftliche Entwicklung der kommenden Jahre maßgeblich prägen.

Das Fazit des Abends: Ja, wir erleben eine Krise – aber wir haben ebenso eine Perspektive. Der Mittelstand im Kreis Paderborn hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er Herausforderungen meistern kann. Mit Innovationskraft, Anpassungsfähigkeit und klaren politischen Rahmenbedingungen lassen sich auch die aktuellen Umbrüche gestalten.

Die MIT Paderborn kündigte an, den Dialog mit Wirtschaft, Politik und Institutionen fortzusetzen und weitere Formate zur wirtschaftlichen Resilienz und Transformation anzubieten.